Frankreich will raus aus der Abhängigkeit von großen Tech Konzernen. Statt proprietärer Produkte wie jenen von Microsoft, möchte man vermehrt auf Open Source setzen und fordert Verwaltungseinheiten auf dafür Pläne vorzulegen (siehe auch heise.de).
Aber geht das überhaupt? Lässt sich der Arbeitsalltag bewältigen ohne Windows, ohne Office-Suite und ohne all jene Programme, die aktuell auf Windows laufen?
Ich habe das Glück gehabt, die letzten Jahre bei einem Arbeitgeber zu arbeiten, der es mir freigestellt hat, welches Betriebssystem ich für meine Tätigkeit verwende. Als ich 2018 dort angefangen habe, habe ich mich dafür entschieden Ubuntu auszuprobieren und zu sehen, wie weit ich damit komme. Überraschenderweise hat es gut geklappt. In insgesamt über sechs Jahren IT-Tätigkeit ging mir kaum etwas ab.
Vorab: Linux auf dem Desktop ist schon lange kein Spezialisten-Betriebssystem mehr. Eine Installation von Ubuntu Desktop lässt sich mit etwas Übung in einer halben Stunde bis Stunde fertigstellen. Wer ein gut kompatibles Laptop-Modell, zum Beispiel von Lenovo oder Dell nimmt, der wird überrascht sein, dass alle Komponenten out of the box funktionieren. Wlan, Tastatur, Trackpad, etc. haben auf meinen Geräten immer anstandslos funktioniert. Auch Audio- und Video-Settings, das Anschließen externer Bildschirme oder Beamer hat stets funktioniert. Das habe ich zwischenzeitlich bei Präsentationen immer wieder mal auch ganz anders erlebt bei Kollegen mit MacOS oder Windows.
Und für Office? Zugegeben, ich benötige nur relativ wenige Dinge aus der Office-Suite. Word, Powerpoint und Excel. Damit komme ich aus. Und da hat mir LibreOffice in den letzten Jahren auch immer gereicht für meine Aufgaben. Ich verstehe natürlich auch Kollegen, die sagen, sie möchten nicht auf das richtige MS Excel verzichten. Immerhin sind Dokumente zwischen LibreOffice und MS Office nicht immer hundertprozentig kompatibel, gerade auch was Formatierung und Formeln betrifft. Aber für diese Fälle wäre gegebenenfalls M365 in der Cloud auch eine Option.
Sowieso passiert heutzutage Vieles im Browser. Und die gängigen Browser gibt es auch unter Linux. Videokonferenz-Tools ebenso. Egal ob Zoom, MS Teams oder browser-basierte Lösungen wie BigBlueButton oder Jitsi Meet. Mit Videokonferenzen hatte ich eigentlich nie Probleme. Achja, da war doch was – Termine im Outlook-Kalender möge man jetzt einwerfen. Hier hatte ich zeitweise einen Kalender im Thunderbird, und entweder OWA oder später dann den MS Teams-Kalender. Ganz ohne Microsoft gings dann also auch nicht.
Und was gewinnt man im Gegenzug, wenn man auf Ubuntu setzt? All die mächtigen Command-Line Tools, die unter Linux von Haus aus Standard sind. Und was nicht vorhanden ist, kann aus kuratierten Repositorien oder Software Stores nachgeladen werden. Ubuntu macht Spaß. Ich kann nur jedem empfehlen, es auszuprobieren, auch oder gerade zum Arbeiten.