Aktuell hört man – nicht zuletzt in Medien und Politik – immer wieder das Schlagwort „Digitale Sourveränität“. In einer Zeit in der Digitalisierung immer wichtiger, und die Grundlage unserer wirtschaftlichen Entwicklung geworden ist, kann ich den Wunsch verstehen unabhängig und souverän zu sein. Dieser Wunsch geht mit der Einsicht einher, dass wir von Big Tech – das heißt den großen, vor allem in den USA ansässigen IT-Unternehmen – der Technologiebranche jedoch in den meisten Fällen abhängig sind. Was ist die Alternative? Was können überhaupt Alternativen sein?
Oft wird Open Source Software und/oder kleinere, europäische Anbieter ins Treffen geführt. Man wolle diese fördern, auf deren Produkte und Dienstleistungen umstellen, oder diese als zusätzliche Optionen in der eigenen IT-Infrastruktur anbieten. Die aktuelle Diskussion übersieht jedoch oft, dass Open Source Software bereits die Grundlage für viele kommerzielle Lösungen ist, und vor allem in den USA auch oft von genau jenen Firmen unterstützt wird, von denen Europa unabhängiger werden will.
So hat zum Beispiel die Linux Foundation im März 2026 verkündet mehrere Millionen Dollar von führenden „KI-Konzernen“, wie Anthropic und OpenAI erhalten zu haben, um die Sicherheit von Open Source Software zu verbessern. Andere Beispiele sind Open Source Entwickler, die seit Jahren bei großen Firmen angestellt sind um ihrer Entwicklertätigkeit nachzugehen.
Diese Beispiele zeigen, dass Open Source kein Gegenpol zu den Big Tech Firmen ist, sondern ein Bestandteil der Industrie. Kommerzielle Produkte und Open Source Communities sind miteinander verflochten. Die politische Forderung nach digitaler Souveränität über den Einsatz von Open Source Software wirkt vor diesem Hintergrund unrealistisch. Vielleicht sollten wir – trotz der multiplen Krisen in denen wir uns aktuell befinden – darauf verzichten, und zu einer realistischeren Einschätzung unserer Abhängigkeiten in Europa kommen.