Wer täglich stundenlang tippt – sei es beim Programmieren, Dokumentieren oder Schreiben von Artikeln – sollte über ein adäquates Arbeitsgerät verfügen. Günstige Standard-Tastaturen, die dem Laptop beiliegen oder vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt werden, lassen an Komfort und Haptik oft zu wünschen übrig. Hier kommen spezielle, mechanische Tastaturen ins Spiel.
Mechanische Tastaturen – lange ein Nischenprodukt der Gaming-Szene – können für IT-Profis auch im Beruf hilfreiches Werkzeug sein. Ich habe einige Modelle getestet. Welche Hersteller besonders interessant sind und was man in punkto Sicherheit beachten sollte, möchte ich in diesem Blog-Beitrag diskutieren.
Warum mechanisch?
Der Unterschied zwischen einer konventionellen Membrantastatur und einer mechanischen liegt in der Haptik. Bei mechanischen Tastaturen liegt jede Taste auf einem eigenen Schalter (Switch), der einen definierten Druckpunkt hat. Solche Tastaturen haben für gewöhnlich eine wesentlich längere Lebensdauer. Mechanische Switches sind für 50 bis 100 Millionen Tastenanschläge ausgelegt und können bei vielen Tastaturen auch einzeln ausgetauscht („hot swap“) werden.
Bei den Switches werden vier Arten unterschieden:
– Lineare Switches verfügen über kein taktiles Feedback, einen glatten Tastenhub und sind ideal für schnelles Tippen und leise – also auch im Büro praktikabel.
– Taktile Switches haben einen spürbaren Druckpunkt ohne Klickgeräusch und sind damit ein Kompromiss zwischen Bürotauglichkeit und Tippgefühl.
– „Clicky“ Switches klicken bei jedem Tastendruck – sind also relativ laut und dafür eher fürs Home Office, als für Büro-Settings geeignet.
– „Silent“ Switches, die Material beinhalten, dass die Anschlagsgeräusche dämpft und deshalb fürs (geteilte) Büro besonders gut geeignet sind.
Es gibt auch Test-Sets bestehend aus einer Bandbreite an Switches. Mit diesen kann man sehr schnell herausfinden, was Einem haptisch am besten liegt. Neben den Switches können auch die Tasten („caps“) selbst getauscht werden, zum Beispiel um ausgefallene Farben oder Muster zu verwenden. Viele der mechanischen Keyboards bedienen design-technisch unterschiedliche Nischen, von schlichten monochromen Tastaturen bis hin zu Bunten mit unterschiedlich-färbigen „caps“.
Getestete Tastaturen
HHKB – Happy Hacking Keyboard
Das Happy Hacking Keyboard wurde in den 1990er-Jahren entwickelt, speziell für Unix-Administration und Programmiertätigkeit.
Es ist eigentlich gar keine mechanische Tastatur im engeren Sinn, sondern verwendet so genannte Topre-Switches. Es gibt keinen Ziffernblock und keine Pfeiltasten. Diese können über ein durchdachtes Tastaturlayout mit den Fn-Tasten angesteuert werden.
HHKB Keyboards sind spezielle Tastaturen für Enthusiasten. Ich finde sowohl die Haptik, als auch die Lautstärke der Tastenanschläge angenehm. Das Layout ist gewöhnungsbedürftig, vor allem für Personen, die sonst mit deutschsprachigen Tastaturlayouts tippen. Hat man sich jedoch einmal eingerichtet – zum Beispiel mit dem Tastaturlayout EurKEY, mit dem man auch die Umlaute hinbekommt – dann macht das Tippen damit wirklich Spaß!
Ducky One X Wireless
Ducky ist eine Firma aus Taiwan und hat sich als Hersteller mechanischer Keyboards etabliert. Das getestete Keyboard verfügt über induktive Switches und ist daher nicht kompatibel mit herkömmlichen Switches die bei anderen Modellen der Firma ausgetauscht werden können.
Bei diesen induktiven Switches ist der Auslösepunkt in einem vorgegebenen Rahmen anpassbar, sodass man die Haptik bis zu einem gewissen Grad anpassen kann. Auch die Tastaturbelegung (mapping) lässt sich individuell anpassen.
Das Ducky One X Wireless gibt es in unterschiedlichen Größen. Ich habe das Full-Size-Keyboard mit 108 Tasten getestet: Die Haptik ist angenehm und das Schreiben macht hier auch Spaß. Es lässt sich per Kabel, Bluetooth oder 2,4 Ghz Wireless verbinden. Das funktioniert alles toll und wenn man einen Ersatz für eine vollwertige Tastatur mit allen Tasten sucht, dann ist sie jedenfalls ein guter Tipp und im übrigen wesentlich günstiger als das HHKB-Modell.
Epomaker TH108
Der chinesische Herstelle Epomaker hat sich auf günstige, anpassbare Keyboards spezialisiert. Das Epomaker TH108 ist, wie das getestete Ducky One X Wireless eine Full-Size Tastatur, die mit Kabel oder Wireless betrieben werden kann und bei dem die Switches und Tasten ausgetauscht werden können. Das getestete Epomaker-Modell ist in zwei Varianten mit unterschiedlichen Switches verfügbar. Getestet wurde das Modell mit „Sea Salt Silent“-Switches.
Besonders interessant für Open Source Enthusiasten ist die Tatsache, dass Epomaker-Tastaturen über die quelloffene Firmware QMK und VIA angepasst werden können. Das ist – aus Sicherheitssicht – ein erheblicher Vorteil, weil somit keine poprietäre Software oder irgendwelche Cloud-Portale verwendet werden müssen, um die Tastenbelegung und Shortcuts zu konfigurieren.
Auch diese Tastatur hat eine sehr angenehme Haptik, die sich auch gar nicht sehr vom Ducky-Modell unterscheidet. Allerdings sind die Anschläge hier tatsächlich beinahe lautlos, was die Tastatur für den Einsatz im Großraumbüro qualifiziert. Im Vergleich zu allen anderen drei Modellen sind die Switches unter den Tasten wirklich angenehm leise.
Wobkey Rainy 75
Die Wobkey Rainy 75 wird aufgrund ihres Regentropfen-Klangs beim Tippen als „audiophile“ Tastatur beworben. Sie kann ebenfalls über USB-C, Bluetooth oder 2,4GHz-Funk verbunden werden, verfügt über einen Akku und ein hochwertiges und massives Aluminiumgehäuse. Sie ist in drei Varianten erhältlich: lite, Standard und Pro mit jeweils unterschiedlichen Merkmalen. Auch die Wobkey Rainy kann mit QMK und VIA angesteuert werden.
Unter diesen Modellen produziert die Rainy 75 mit Abstand die lautesten Anschläge. Die Haptik ist hier ebenfalls sehr angenehm, vergleichbar mit dem Epomaker-Modell, aber gerade aufgrund der lauten Tippgeräusche ist sie für den Einsatz im Shared Office eigentlich kaum verwendbar. Zwar macht das Tippen durchaus mitunter Spaß, allerdings ist der Einsatz aber dann auf das Home Office oder den Hobbybereich (Gaming) beschränkt.
Tastaturen als Angriffsvektor
Auch bei der Auswahl von Tastaturen kann man sich überlegen, ob es aus Sicherheitsperspektive etwas zu beachten gibt. Hier kommt die Software, die mit Tastaturen ausgeliefert wird eine Rolle. USB-Tastaturen können zum Beispiel manipuliert werden um Schadcode einzuschleusen oder Tastatureingaben mitzuprotokollieren.
Auch über Bluetooth-Verbindungen können Daten ausgelesen werden, sofern die Verbindungen nicht verschlüsselt sind. Ob so ein Angriff realistisch im normalen Unternehmensumfeld realistisch ist, ist allerdings zu bezweifeln. Kabelgebundene Varianten beseitigen dieses Risiko jedenfalls.
Bluetooth-Risiken: Wireless-Tastaturen übertragen Tastatureingaben über Funk. Hochwertige Modelle wie das HHKB oder Keychron K-Series nutzen verschlüsselte Bluetooth-Verbindungen (BLE), aber im sicherheitskritischen Umfeld kann man natürlich kabelgebundenen Verbindungen den Vorzug geben. Vorausgesetzt die Verwendung eigener Peripherie-Geräte ist überhaupt erlaubt.
Im Sinne der Systemhärtung sind Tastaturen zu bevorzugen, die ohne zusätzliche Treiber auskommen und On-Board-Memory für Profile nutzen. Bei den getesteten Tastaturen kommt zusätzliche Software jedoch sowieso nur für individuelle Tastenbelegungen (Mapping) zum Einsatz.
Fazit
Es gibt eine Vielzahl von mechanischen Tastaturen von diversen Herstellern, darunter bekanntere oder weniger bekannte Firmen. Wie bei jedem Hardware-Kauf empfiehlt es sich die Hersteller nach Sicherheitskriterien zu beurteilen. Ist der Hersteller etabliert und wie ist die Reputation? Gibt es bekannte Schwachstellen bzw. wie geht der Hersteller damit um? Wird langfristiger Support garantiert? Benötigt man zum Betrieb zusätzliche (proprietäre) Software?
Bei allen vier beschriebenen Modellen handelt es sich um etablierte Hersteller und (soweit ich das beurteilen kann) qualitativ hochwertige Produkte. Ich kann allen vier Modellen Positives abgewinnen und kann nur jeden ermutigen mechanische Tastaturen auszuprobieren.